Was bedeutet Ernährungsberatung?
Ein Blick in die Praxis der Ernährungsberatung zeigt, dass höchst unterschiedliche Aufgaben und Tätigkeitsfelder unter dem Begriff Ernährungsberatung zusammengefasst werden.
Ernährungsberatung ist auf den persönlichen Kontakt zwischen Berater und Klient ausgelegt. Sie erfolgt im kommunikativen Wechselspiel, also im Dialog. Es geht darum, Ernährungsempfehlungen und Essverhalten in nähere Übereinstimmung zu bringen. Ernährungsberatung hat also mit Verhaltensveränderung zu tun.
Das Ziel besteht darin, die im Klienten vorhandenen Kräfte zu aktivieren, um Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Ernährungsberatung ist ein Serviceangebot, das die Prinzipien der freiwilligen Inanspruchnahme, der Eigenverantwortlichkeit des Klienten und seiner kompetenten Selbstentscheidung in den Vordergrund stellt.
Der Rahmen für Ernährungsberatung ist eingrenzbar zwischen Information und Aufklärung auf der einen und Therapie und Erziehung auf der anderen Seite. Das klärt den Anspruch an Ernährungsberatung:
Sie muss mehr sein als Informationsvermittlung, indem sie wirksam hilft, das Wissen und die Kenntnisse in die Einstellung des Klienten zu übertragen und im Alltag anzuwenden.
Sie hat aber weder einen therapeutischen Anspruch noch einen erzieherischen Auftrag. Meine Ernährungsberatung ist ein professionelles Dienstleistungsangebot für erwachsene, selbstverantwortliche Menschen.
Die Diskrepanz zwischen dem Bedarf des Organismus und den Bedürfnissen des Menschen
Das Essverhalten des Klienten wird durch gewisse Bedürfnisse gesteuert. Die verschiedenen stark gerichteten Motive führen in Abhängigkeit einer bestimmten Situation zu einer konkreten Ernährungsentscheidung, die als subjektiver Optimierungsprozess verstanden wird.
Dieser Ernährungsentscheidung steht auf der anderen Seite ein Anforderungskatalog gegenüber, der von der Ernährungswissenschaft definiert wurde und der den Bedarf des Organismus an Nahrungsenergie, Nähr- und Inhaltsstoffen beschreibt, der durch die tägliche Ernährung erfüllt sein sollte.
Wenn durch das bedürfnisgesteuerte Essverhalten eine Ernährungsweise realisiert wird, die diesen ernährungsphysiologischen Parametern nicht genügt, dann entsteht die beschriebene Diskrepanz zwischen dem Bedarf des Organismus und den Bedürfnissen des Menschen.
→ Genau dann stellt sich die Indikation für Ernährungsberatung.
Ernährungsberatung als soziales Management
Damit wird deutlich, dass sich Ernährungsberatung in keinem Fall darauf beschränken kann, lediglich den Nährstoffbedarf des menschlichen Organismus zu beschreiben. Das Ziel der Ernährungsberatung besteht vielmehr darin, die Diskrepanz zwischen dem realen Verhalten und den wissenschaftlich begründeten Empfehlungen zu verringern.
Im Blickpunkt der Ernährungsberatung steht damit die konkrete Ernährungsentscheidung des Klienten. Im Prozess der Ernährungsberatung spielt diese individuelle Verhaltenssteuerung die Hauptrolle. Welche Gewichtungsfaktoren bei einem Klienten für die verschiedenen Essmotive bestehen, gilt es zu erkennen und zu verstehen. Nur dann sind Änderungen überhaupt planbar.
Kurz gesagt: Ernährungsberatung besteht in einer Modifikation von Motiven, die das Essverhalten steuern. Sie kann sich nicht darauf beschränken, die Grundzüge gesundheitsgerechter Ernährung zu beschreiben. Ernährungsberatung ist ein permanenter Dialog, der einen Trainingsprozess der Annäherung zwischen dem Bedarf des Organismus und den Bedürfnissen des Menschen voraussetzt.