Gesundheit beginnt im Darm
Zunächst einmal solltest du wissen, dass dein Darm ein unglaublich wichtiger Teil deines Körpers ist. Er ist mit so vielen Funktionen des täglichen Lebens verbunden, die weit über die Verdauung hinausgehen.
Wusstest du zum Beispiel, dass sich über 70 % deines Immunsystems in deinem Darm befinden? Oder dass die Darmbakterien wichtige Bausteine für die Bildung von Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Gaba sind, die alle Einfluss auf Motivation, Lust, Stimmung, Energie, Schlaf haben? Ein gesunder Darm ist somit für die allgemeine Gesundheit sehr wichtig.
„Ein ungesunder Darm = ein ungesunder Körper“
Leider können sich viele verschiedene Faktoren negativ auf die Darmgesundheit auswirken - darunter auch solche, die dir vielleicht noch gar nicht bewusst sind. Einige davon sind offensichtlicher wie z. B. verarbeitete und zuckerhaltige Lebensmittel sowie die übermäßige Einnahme von Antibiotika. Aber auch zu viel Stress, zu wenig Schlaf und Umweltgifte können die Gesundheit des Darms beeinträchtigen.
Und da der Darm die Grundlage für die Gesundheit des gesamten Körpers ist, kann ein gestörtes Darmmilieu Herz, Immunsystem, Haut, Gewicht, Hormonhaushalt und die Fähigkeit, Nährstoffe aufzunehmen, beeinträchtigen und sogar die Entstehung von Krankheiten fördern.
Woran kannst du also erkennen ob du einen ungesunden Darm hast?
7 Anzeichen für einen ungesunden Darm
Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung, Durchfall und sogar Sodbrennen können u.a. Anzeichen für einen ungesunden Darm sein. Ein gesunder Darm verdaut die Nahrung reibungslos und scheidet Abfallstoffe aus. Ein Ungleichgewicht im Mikrobiom des Darms kann jedoch zu einer fehlerhaften Verdauung führen.
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Treten nach dem Essen häufig bzw. regelmäßig Magen-Darm-Beschwerden in Form von Magenschmerzen, Krämpfen, Blähungen, Völlegefühl oder anderen Beschwerden auf, kann dies ein Zeichen für eine schlechte Darmgesundheit sein. Ein ungesunder Darm kann zu größeren Schwierigkeiten bei der Verdauung der Nahrung und der Ausscheidung von Abfallstoffen führen. Dies ist oft eines der ersten Anzeichen für einen ungesunden Darm.
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Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an verarbeiteten Lebensmitteln und Zucker (auch künstliche Süßstoffe) kann die Darmflora verändern, die „schlechten“ (pathogenen) Darmbakterien fördern und „gute“ (produktive) Bakterien vermindern, wodurch eine Dysbiose entsteht. Außerdem wird die Darmschleimhaut dünner. 1,2 Wenn das Gleichgewicht gestört ist, kann dies wiederum Heißhunger auf Zucker auslösen und einen Teufelskreis schaffen. Bei Störung der bakteriellen Flora kann sich gegenläufig auch die Pilzflora ändern. Einerseits haben solche Pilze im Darm durchaus Nutzen wenn die Bakterienflora allerdings gestört ist, können diese auch nachteilig sein, indem sie entweder mithilfe ihrer Virulenzfaktoren eine Schädigung der Schleimhautepithelien bedingen oder sogar in die Mukosa (Schleimhaut) eindringen und Entzündungen hervorrufen bzw. bei bereits chronisch entzündlichen Prozessen diese verstärken. 3 Je grösser die Darmpilzpopulation wird, umso grösser ist deren Hunger auf Zucker. Ein zu hoher Zuckerkonsum kann auf lange Sicht Entzündungen, Verdauungsprobleme und sogar schwerwiegende Krankheiten verursachen. 4 Mit zu viel Zucker im Darm schadet man nicht nur direkt den Abwehrkräften und füttert ungesunde Keime, man begünstigt auch ungesundes Übergewicht. Natürlicher Zucker in Früchten ist deutlich unbedenklicher als der verarbeitete Industriezucker.
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Eine Gewichtszunahme oder -abnahme (ohne Absicht) kann ein Anzeichen für einen ungesunden Darm sein. Ein ungesunder Darm kann die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigen, wichtige Nährstoffe zu absorbieren (was den Wunsch nach übermäßigem Essen hervorruft), den Blutzuckerspiegel zu regulieren und Fett richtig zu verwerten. 5 Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Zusammensetzung der Darmmikrobiota zwischen schlanken und fettleibigen Menschen unterscheidet. In einer Studiewurden die Darmbakterien von 77 Zwillingspaaren untersucht, von denen ein Zwilling an Fettleibigkeit litt und einer nicht. Die Studie ergab, dass die fettleibigen Teilnehmer andere Darmbakterien hatten als ihre nicht fettleibigen Zwillinge. Insbesondere ging die Fettleibigkeit mit einer geringeren Vielfalt an Darmbakterien einher, d. h. es gab weniger Bakterientypen im Darm. Wenn das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät (Dysbiose), wirkt sich dies auf das Niveau der chronischen Entzündung im Körper aus. Dies geschieht zum Teil durch die Freisetzung von Lipopolysaccharide, einem aus der Darmmikrobiota stammenden Toxin, das zu Gewichtsproblemen wie Fettleibigkeit und/oder Unterernährung beitragen kann. Da der Darm eng mit dem Nerven- und Hormonsystem verbunden ist, scheinen einige Bakterienstämme auch unseren Heißhunger und unsere Geschmacksnerven beeinflussen zu können. Das Darmmikrobiom kann somit den Appetit und das Essverhalten, die Belohnungs- und Sättigungsbahnen, die Stimmung, die Geschmacksrezeptoren und die Funktion des Vagusnervs beeinflussen und sich auf die Kommunikation innerhalb der Darm-Hirn-Achse auswirken.
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Es mag überraschend sein, aber wenn du unter Schlaflosigkeit, schlechtem Schlaf und/oder chronischer Müdigkeit leidest, könnte das ein Zeichen für einen ungesunden Darm sein! Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass das Darmmikrobiom die Schlafqualität beeinflussen kann. 6 Ein zentraler Faktor spielt dabei die Verbindung zwischen dem Darm und dem Gehirn. Der Darm kann Signale an das Gehirn senden, und das Gehirn kann seinerseits die Zusammensetzung des Darmmikrobioms beeinflussen. Das Mikrobiom des Darms fördert die Freisetzung vieler Neurotransmitter, wie Dopamin und Serotonin, die zur Regulierung der Stimmung und zur Förderung des Schlafs beitragen. Serotonin ist an der Regulierung unseres Schlafzyklus beteiligt, und unser Darmmikrobiom ist Teil des Prozesses, der die Menge an Serotonin in unserem Körper kontrolliert. Besteht der Darm aus einer Vielzahl schädlicher Darmbakterien, beeinträchtigt dies den Schlaf, wodurch weniger Hormone gebildet und freigesetzt werden. Ungesunde Schlafmuster können wiederum das Darm-Mikrobiom stören. Häufige Schlafstörungen führen demnach zu einer signifikanten Veränderung in der Vielfalt und Zusammensetzung der im Darm vorhandenen Bakterien.
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Der menschliche Darm beherbergt eine sehr große Anzahl an Mikroorganismen, die eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Darm-Haut-Homöostase spielen. Wenn das Darmmirkobiom gestört ist, kann dies Auswirkungen auf die Haut haben und potenziell die Entwicklung von Hautkrankheiten fördern. Mehrere dermatologische Erkrankungen wie Akne, atopische Dermatitis, Psoriasis und Rosazea werden mit einer Dysbiose des Darms in Verbindung gebracht. 9 Sowohl die Haut als auch der Darm sind aktive, komplexe immunologische und neuroendokrine Organe, die ständig der Außenwelt ausgesetzt sind. 7 So hilft beispielsweise die Haut, das Eindringen von Krankheitserregern in den Körper zu verhindern, ebenso wie die Darmschleimhaut. Beide Schutzbarrieren stehen in enger Verbindung miteinander. Man spricht hierbei auch von der Darm-Haut-Achse. Ähnlich wie im Darm lebt auch auf der Haut eine einzigartige Gemeinschaft aus Mikroorganismen. Die Bakterien der Haut sowie des Darms können über unterschiedliche Mechanismen miteinander kommunizieren. Das Immunsystem spielt bei der Kommunikation zwischen Darm und Haut eine Schlüsselrolle. Sind der Darm und das Darm-assoziierte Immunsystem im Ungleichgewicht, wirkt sich dies auch negativ auf die Haut aus. Bei einer Dysbiose oder durchlässigen Darmschleimhaut kann es zu unkontrollierten und überschießenden Immunreaktionen und Entzündungen führen, da schädliche Stoffe in den Körper eindringen. Dies wirkt sich als negativ auf den gesamten Körper und so auch auf die Haut aus. Außerdem ist ein intakter Darm die Voraussetzung, dass der Körper mit allen wichtigen Nährstoffe versorgt wird. Ein ungesunder Darm kann die Mikronährstoffe schlechter aus der Nahrung absorbieren. Da sich die Zellen der Haut häufig erneuern, ist für die Aufrechterhaltung der Barrierefunktion eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen wichtig. Wenn die Aufnahme von Mikronährstoffen über die tägliche Ernährung nicht in ausreichender Menge gewährleistet ist, kann es langfristig zu einer Verschlechterung des Hautzustandes kommen. Die Folge sind u.a. alternde Haut, Falten, Pigmentierung, Akne und Trockenheit. Deshalb ist es wichtig, die Gesundheit deines Darms zu verbessern, damit sich die Haut rein und strahlend anfühlt.
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Die steigende Prävalenz von Autoimmunerkrankungen hat die Forschung zur Rolle der Darmmikrobiota in der Krankheitsentwicklung erheblich vorangetrieben. 12 Während früher vor allem genetische Faktoren als Hauptursache für Autoimmunerkrankungen angesehen wurden, wird heute zunehmend anerkannt, dass Umweltfaktoren und deren Wechselwirkungen mit genetischen Prädispositionen entscheidend zur Autoimmunität beitragen. Neueste Studien belegen einen klaren Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung der Darmmikrobiota und der Entstehung oder Verschlimmerung von Autoimmunkrankheiten. 13 Mikrobielle Dysbiose und entzündliche Prozesse im Darm sind häufig Vorläufer und Begleiterscheinungen dieser Erkrankungen. 14, 15
Eine gestörte Darmflora hat direkte Auswirkungen auf die Immunfunktion, da über 70 % des Immunsystems im Darm lokalisiert sind. Chronische Entzündungen können zu einer erhöhten Darmdurchlässigkeit führen, wodurch Bakterien und Toxine in den Blutkreislauf gelangen und das Immunsystem aktivieren können. Ein weiterer relevanter Aspekt ist die Maldigestion, bei der die Nahrung nicht richtig aufgespalten wird. Dies kann zur Bildung von Antigenen führen, die Autoimmunreaktionen auslösen.
Ein bedeutendes Forschungsfeld sind kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), die eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Entzündungen spielen, die Darmbarriere unterstützen und das Verhalten von Immunzellen beeinflussen. Ein Mangel an diesen Metaboliten wird ebenfalls mit Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht. SCFAs wie Butyrat, Acetat und Propionat sind die häufigsten mikrobiellen Stoffwechselprodukte im Dickdarmlumen und entstehen hauptsächlich durch die mikrobielle Fermentation von Präbiotika wie Ballaststoffen.
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, dass spezielle Darmbakterien das Immunsystem beeinflussen können, was zu autoimmunen Erkrankungen führen kann. Eine Studie der Universität Bern zeigt beispielsweise, dass bestimmte Bakteroiden Proteine produzieren, die entzündungsfördernde Zellen regulieren und damit chronisch-entzündliche Darmerkrankungen verhindern können. Diese Mechanismen eröffnen neue Perspektiven für therapeutische Ansätze zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen. 16
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Mikrobiom eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen spielen. Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mikrobiota, Immunantwort und Ernährung erfordern weitere Untersuchungen, um gezielte therapeutische Strategien zu entwickeln.
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Lebensmittelunverträglichkeiten treten auf, wenn der Körper auf Lebensmittel reagiert, weil er sie nicht verdauen oder aufspalten kann. Intoleranzen können die Folge von Enzymmangel oder Entzündungen, aufgrund von Funktionsstörungen des Verdauungssystems (Darmdurchlässigkeit, Darmdysbiose) aber auch genetischer Veranlagung sein. Jüngste Erkenntnisse zeigen, dass das Mikrobiom eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Unverträglichkeiten spielt. Eine Dysbiose beeinträchtigt die Immunität des Darms und die Verdauungskraft und erhöht das Risiko eines undichten Darms. 17 Die verminderte Fähigkeit des Darms, bestimmte Lebensmittel zu verdauen kann zu einer ganzen Reihe von Symptomen führen: schlechte Verdauung, Blähungen, Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit. Die Reaktion kann unmittelbar auftreten in den meisten Fällen tritt diese aber erst nach einige Stunden bis einigen Tage nach dem Verzehr des Lebensmittels auf. 18 Intoleranzen sind nicht mit einer direkten Reaktion des Immunsystems (z.B. (Ausschlag, Keuchen und Juckreiz) verbunden, sondern betreffen die Gesundheit des Darms. Wobei neuste Studien zeigen, dass Unverträglichkeiten ebenfalls zu einer Immunreaktion führen, jedoch in einer anderen Form als bei Allergien. 19
Die Symptome eines ungesunden Darms wirken vielleicht überwältigend, aber es gibt einiges, was du tun kannst (und zwar schon heute!), um deine Darmgesundheit zu verbessern. Hier gehts zu den Tipps.
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https://www.nature.com/articles/nature13793
https://www.bmj.com/content/381/bmj-2022-071609#ref-96
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28799153/
https://www.bmj.com/content/381/bmj-2022-071609
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7333005/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6779243/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29949831/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30042740/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31921196/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33670115/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4428712/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9390838/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3337124/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28588585/
https://www.frontiersin.org/journals/immunology/articles/10.3389/fimmu.2017.00598/full?furriel=99b129e5a1ffa09775e93a4de7a4f2eab9269be1
https://www.nature.com/articles/s41423-023-00987-1#:~:text=SCFAs%20have%20important%20functions%20in,pathogenesis%20of%20various%20autoimmune%20diseases.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21070397/
https://www.nature.com/articles/s41575-018-0064-z
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26030116/